Schräge Vögel am Fantastik-Kongress

Der VSPA an der 9. Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung

von Dorothe Zürcher

Vom 5. – 8. September fand in Fribourg die Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung zum Thema „Techniken der Fantastik“ statt. Dies beinhaltete nicht nur Darstellungen der Technik in der Fantastik, sondern auch Erzähl- oder Produktionstechniken. Zum ersten Mal wurde in drei Sprachen über SciFi, Zukunftserzählungen, High oder Urban Fantasy, Horror und vieles mehr referiert. Und der VSPA war mitten drin.

Dorothe Zürcher "Das Gamma-Lächeln"

Dorothe Zürcher „Das Gamma-Lächeln“

Wohlgemerkt, die Tagung unterstützt vor allem die wissenschaftliche Forschung. Hier traf sich alles, was über Fantastisches in Europa promoviert oder dissertiert. So gab es zum Beispiel einen Vortrag über die kritische Betrachtung des Posthumanen in der zeitgenössischen Science Fiction, eine Würdigung zum 50. Geburtstag von „A Space Odyssey“ oder eine Abhandlung darüber, wie Science Fiction im Deutschschweizer Radio von 1935-1985 ausgestrahlt wurde.
Obwohl die Tagung hauptsächlich von Forschenden besucht wird, um sich weiterzubilden und sich zu vernetzen, fühlte ich mich als Autorin puddelwohl. Lässt man sich auf den wissenschaftlichen Diskurs ein, gibt es nichts Spannenderes, als zu erfahren, über was in der Fantastik alles geforscht wird. So über das Kartographieren oder die Namensgebung in unseren Werken, die Erfindung neuer Wörter oder einer neuen Sprache, die traditionelle oder neue Verwendung von Symbolen und vielem mehr. Sich einmal von aussen zeigen zu lassen, wie viel Fantasie und Erforschungswertes in unseren Werken steckt oder stecken könnten, kann sehr wohltuend sein. Als Autorin muss ich ja nicht jedes Mal das Rad neu erfinden. Warum nicht sich in einem Vortrag innert einer Minute Ovids Metamorphosen zusammenfassen lassen oder sich über die Entwicklung des Posthumanen in unserem Genre informieren?

Die Tagung bestand hauptsächlich aus Vorträgen, zusätzlich gab es ein Rahmenprogramm. So war es möglich, das Giger-Museum zu besichtigen oder einen Vortrag von John Howe über die Entstehung von Beorns Hütte im ersten Hobbitfilm zu besuchen.
Lesungen gab es nur an einem Abend. Da eine Autorin ausfiel, konnte der VSPA kurzfristig Benjamin Rosenbaum organisieren, wofür das Tagungsteam hochdankbar ist. Ben verzauberte seine Zuhörer so, dass ich tags darauf in zwei Vorträgen Anspielungen auf seine Geschichte hörte.

Melody Aimée Reymond und Prof. Dr. Michael Alexander Kaufmann "Fiction x Science"

Melody Aimée Reymond und Prof. Dr. Michael Alexander Kaufmann „Fiction x Science“

Melody Aimée Reymond und ich waren je mit einem Vortrag dabei. Melody stellte mit ihrem Mann das Verfahren des Doppelgutachtens vor, mit dem sie in ihrer Anthologie „Fiction x Science“ die Texte ausgewählt und bearbeitet haben. Ich stellte der Werdegang von „Das Gamma-Lächeln“ vor. Natürlich fühlten wir uns unter den ganzen Wissenschaftlern etwas seltsam oder wie Michael es treffend ausdrückte: Wir waren die Vögel im Ornithologen-Kongress. Jedoch war unser Publikum interessiert und stellte viele Fragen, stellen wir doch den Gegenstand ihrer Untersuchungen her.

Fazit: Die Tagung kann gerade für Autorinnen und Autoren sehr bereichernd sein, selbst wenn man kaum den Titel des Vortrags versteht. Leider findet die nächste Tagung in Berlin statt, ihr Thema: „Romantik der Fantastik“.

Quelle Titelbild: Universität Freiburg (http://events.unifr.ch/gff2018/de/)

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